Fontane: Ja, das möcht' ich noch erleben
    
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”Wenn ein Dichter der ist, der uns in einer Pütze noch den Himmel spiegeln kann, so war Fontane einer. Der noble, bürgerliche, alte Herr aus der Potsdamer Straße verlor nie die Wirklichkeit aus den Augen. Er liebte sie, auch wenn ihn die Tagesenge, die Kleinbürgerlichkeit, wenn ihn die Irrtümer seiner Epoche oft nervös und reizbar machten. Während er sie abschilderte, überhöhte er sie schon, so dass alles wahrblieb und es noch den Aspekt des Poetischen auf Fontanes nüchtern-natürliche Weise gewann. Ein preußischer Poet, und unter den deutschen einer der größten, liebenswertesten. Seine Sprache blieb immer hautnah am Alltag. Fontane hatte ein ungemein feines Ohr für die dichterische Tragfähigkeit der Alltagsrede. Floskelhaftes konnte er zu Poesie werden lassen. Was gemeinhin redensartlich ist, gewinnt bei ihm neues Gewicht. Er >macht< sich seine Sprache nicht. Er nimmt sie, wie sie gesprochen wird – und wie sie zumal in Berlin und um Berlin herum gesprochen wird. Trotzdem ist es ganz die seine. Unverkennbar in jedem Satz (…). Man hört seine Dichterworte hier in der Stimme eines Schauspielers, der selbst zu einer Art Fontane-Forscher geworden ist. O.E. Hasse hat in zahlreichen öffentlichen Lesungen immer wieder neue Varianten und interessante Aspekte im Werk Fontanes aufklingen lassen. Man wird finden, dass in seiner Wiedergabe eine oft gelobte Deckung von Text und unrezitatorischer Rezitation statthat. Die lässige Festigkeit, die noble Nonchalance, die heitere Klarheit und die – sozusagen – kopfschüttelnde Weltliebe, mit der der Interpret spricht, sind Eigenschaften des Interpretierten. Theodor Fontane aus der Potsdamer Straße 134 c zu Berlin.” Schreibt Friedrich Luft, 1958 Spieldauer: ca. 45 Minuten
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